Wie es zu dem Buch kam
Ich hatte nie vor, ein Buch zu schreiben. Ich hatte das Drehbuch für zwei irische Filme geschrieben und hätte mir gut vorstellen können, erst einmal beim Drehbuchschreiben zu bleiben. Es war im Sommer 2005 und ich traf mich in London mit verschiedenen Filmproduzenten. Im Hotel - keine Ahnung, woran ich gerade dachte - fiel mir plötzlich der Name ein: Skulduggery Pleasant.
"Ein seltsamer Name", dachte ich. "Bin gespannt, was ich damit anstelle." Ich wusste dann auch gleich, wer er war. Ein Mann namens Skulduggery kann nur ein Skelett sein, und er kann nur Detektiv sein. Und mit Pleasant als Nachname ist er selbstverständlich höflich, immer gut angezogen und freundlich.
Ich hatte nicht darum gebeten, ich hatte nicht danach gesucht und trotzdem war es plötzlich da. Ohne zu wissen, wie es richtig geht, saß ich auf einmal da und schrieb ein Buch. Und auch noch ein Jugendbuch.
Da ich wissen wollte, ob Skulduggery als Typ funktioniert, musste ich ein Probekapitel schreiben, und dazu brauchte ich jemand, mit dem er reden konnte, jemand, der genauso clever und genauso leichtsinnig war wie Skulduggery. Und da trat Stephanie aus den Untiefen meiner Fantasie und stellte sich mir vor.
Als Karatelehrer habe ich nicht nur mit Erwachsenen, sondern auch mit Kindern gearbeitet. Dabei ist mir eines aufgefallen: wie lustig die Kids waren. Nicht nur amüsant, sondern echt witzig. In einer Mädchengruppe gab es zwei oder drei, die Stephanie ziemlich ähnlich waren. Clever und stark und mit einem erfreulichen Misstrauen gegenüber jeglicher Autorität.
Und da hatte ich dann auch Stephanie. Einfach so. Ich wusste, wer sie war und wie sie war. Noch im Hotelzimmer schrieb ich den Dialog zwischen Skulduggery und Stephanie in der Küche, wie er im 4. Kapitel zu lesen ist. Ich traf sofort ihren Ton. Ein Buch zu schreiben, schien plötzlich nicht mehr nur möglich; ich konnte mir sogar vorstellen, dass es Spaß machen könnte.
Ein paar Jahre vor dem allem hatte ich schon einmal versucht, ein Buch zu schreiben. Ich kam bis Seite 30, dann merkte mein Konzentrationsvermögen (es ist von Natur aus kurz und unkooperativ), was ihm abverlangt wurde, und machte mir prompt eine Szene, stieß einen schmerzerfüllten Schrei aus und stellte sich mausetot. Mein Konzentrationsvermögen kann ziemlich theatralisch daherkommen.
Aber da war es schon passiert: ich mochte Stephanie und Skulduggery einfach; mir gefiel, dass ich sie wahnsinnig schnell sprechen lassen konnte; dass ich sie irre clever und witzig machen konnte. Also habe ich mir überlegt, wie ich mein Konzentrationsvermögen überlisten könnte. Ich beschloss, jedes Kapitel so anzugehen, als würde daraus mein Lieblingskapitel - und packte alles hinein, was mir so einfiel: witzige und dumme Sprüchen, meine Kampfsportkenntnisse, Magisches, Verrücktes und die Monster. Und nachdem das Kapitel geschrieben war, begann ich das nächste in der Absicht, es noch besser zu machen als das vorhergehende. Dieser Trick hielt mich bei der Stange - und mein Konzentrationsvermögen hat nie Verdacht geschöpft! Es mag theatralisch sein, aber allzu helle ist es nicht.
Die nächsten paar Monate saß ich an meinem Schreibtisch in der Nähe von Dublin und schrieb. Ich wusste, dass es ein Jugendbuch werden sollte, aber ich änderte weder meinen Stil noch meine Herangehensweise. Ich verarbeitete alles, was ich mochte - Kampfsport, Superkräfte, Action, Magie, Horror, Geheimnisse, Mord und Vergeltung - und füllte die Lücken mit meiner Art Humor auf.
Meine Agentin bekam das fertige Manuskript im Januar 2006. Sie wartete ein, zwei Wochen, bevor sie es an diverse Verlage schickte. Nur um mich zu quälen.
In der ersten Februarwoche, es war Freitag, fuhr ich meine Eltern zum Flughafen (sie wollten nach London zu einer Hochzeit). Wir holten also meine Oma ab und fuhren so dahin, als meine Mutter beiläufig erwähnte, sie hätte gehört, dass irgendwo eine Stelle frei würde. "Ich brauche keinen Job", sagte ich. "Nur ein Teilzeitjob", sagte sie, "damit ein bisschen Geld hereinkommt." Und ich sagte: "Nein, es wird sich schon was ergeben, ich glaube fest daran."
Ich bin stinkfaul.
Ich setzte sie also am Flughafen ab, fuhr nach Dublin hinein, ging in den Comic-Laden, und da läutete mein Handy. Es war meine Agentin und sie sagte mir, dass HarperCollins, ein sehr angesehener Verlag, sich für mein Buch interessiere. Sehr interessiere.
Ich freue mich, sagen zu können, dass ich nicht ausgeflippt bin; möglich, dass ich vor Freude gejauchzt habe - aber nur ganz leise.
Falls ich tatsächlich gejauchzt habe, war es, da seid mal versichert, ein männliches Jauchzen. So eher in Richtung Gebrüll.
Ich rief meine Mutter an, die noch in der Wartehalle saß, und sagte es ihr und hörte sie übers Handy lächeln. Da stand ich in diesem Comic-Laden und wusste, dass mein Leben soeben eine neue Wendung genommen hatte, und es war ein ziemlich wunderschönes Gefühl.
An diesem Tag habe ich einen ganzen BERG Comics gekauft.
Derek Landy
