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Sibylle Luise Binder

 Sibylle Luise Binder
© privat
Sibylle Luise Binder wurde 1960 in Stuttgart geboren. Nach der kaufmännischen Berufsschule arbeitete sie als Texterin in verschiedenen Werbeagenturen, absolvierte eine Ausbildung zur Datenverarbeitungskauffrau und wandte sich ab 1990 dem Journalismus zu. In den nächsten Jahren schrieb sie meist über Pferde - als freie Journalistin bei diversen Fachmedien und als stellvertretende Chefredakteurin bei PferdeWelt/Wiesbaden und Cavallo/Stuttgart. Außerdem arbeitete Sibylle Luise Binder für "Spiegel", "Capital", "Associated Press" und "AMICA". Seit 1996 ist sie freie Autorin und es sind viele Bücher an ihrem Schreibtisch entstanden, wobei der Schwerpunkt auf Mädchenromanen und Pferdesachbüchern liegt.


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Interview

1. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Ich glaube, ich bin erblich belastet. Mein Vater hatte immer das Bedürfnis, sich schriftlich auszudrücken - in Tagebüchern und Gedichten. Insofern war für mich Schreiben immer ein Stück Normalität. Dazu liebe ich es, zu erzählen - und da in meinen Jugendjahren nie jemand meinen endlosen Geschichten zuhören wollte, schrieb ich sie eben auf. Wenn ich mich richtig erinnere, war ich 14, als ich meinen ersten "Roman" verbrochen habe - und nein, dieses sicher eher peinliche Machwerk existiert zum Glück nicht mehr.

2. Gibt es so etwas wie einen Arbeitsalltag? Und wenn ja, wie sieht er aus?

Errötend gestehe ich es: Bei mir kommt im Arbeitsalltag erst das Vergnügen und dann die Arbeit. Meine Vormittage verbringe ich nämlich üblicherweise bei und mit meinem Pferd. Dabei denke ich allerdings schon darüber nach, was ich zu schreiben habe. Am Nachmittag ist dann immer erst einmal das "Administrative" dran - Telefonate, Korrekturen, Korrespondenz. Am Abend laufe ich dann zur Form auf - und schreibe meist weit in die Nacht hinein. Dabei genieße ich es, dass ich nachts weitgehend ungestört bin.

3. Woher nehmen Sie ihre Ideen?

Ich habe selten eine große, tolle Idee, sondern konstruiere meine Geschichten meist aus vielen, kleinen Einfällen. Der Ausgangspunkt ist oft eine bestimmte Situation, meistens in Richtung "Wie fühlt sich jemand, dem dies und das passiert?" Um das herum bastle ich dann meine Geschichte - ganz oft übrigens im Gespräch mit einer geduldigen Freundin, die zuhört und anregt.

4. Wie viel Realität fließt in ihre Texte mit ein? Haben Ihre Figuren z.B. reale Vorbilder?

Realität: Sehr viel. Ich halte mich weitgehend an die alte, bewährte Empfehlung, über das zu schreiben, wovon ich eine Ahnung habe und ich schätze Authentizität. Und ja, meine Figuren haben fast alle Vorbilder in der Realität - was so weit geht, dass meine Freunde die meisten Charaktere in meinen Büchern wieder erkennen.

5. Welche Themen favorisieren Sie? Und warum?

Lieblingsthemen: Pferde und Geschichte. Dummerweise bin ich aber noch nicht dazu gekommen, mein Faible für Geschichte als Schreiberin auszutoben. Bisher waren es immer die Pferde - was wahrscheinlich bei jemand, der als Fachbuchautor im Bereich "Pferde" angefangen hat, unvermeidlich ist. Dabei fasziniert mich besonders die Beziehung Pferd-Mensch.
Geschichte - auch da geht es für mich um Menschen, wie sie von ihrer Zeit und ihrem Umfeld geformt werden und wie doch bestimmte menschliche Gefühle von Zeit und Umständen unberührt immer existierten.

6. Welches Buch würden Sie gerne schreiben?

Einen supererfolgreichen Bestseller.
Im Ernst: Ich sammle seit Jahren Material für einen historischen Roman, in dem es um eine ganz besondere Frau in einer faszinierenden Zeit gehen wird. Außerdem werden darin Falken, Pferde und eine Gegend, in der ich mich sehr zu Hause fühle, eine Rolle spielen.

7. Was fasziniert Sie an Kinder- und Jugendliteratur? Was, glauben Sie, ist besonders beim Schreiben für Kinder und Jugendliche?

Kinder sind besonders kritische Leser, die ihren Autoren keine Schlampereien durchgehen lassen. Sie wollen sauber konstruierte Plots (und wenn darin ein Loch klafft, kann der Autor sicher sein, entsprechende Leserbriefe zu bekommen) und sie verlangen nach einer Sprache, die sich nicht in selbstverliebt-prätentiösen Windungen ergießt. Vom "Handwerklichen" her empfinde ich Kinder- und Jugendliteratur sehr anspruchsvoll - und ich mag die damit verbundene Herausforderung.

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